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Quartierschutz

Zunahme der Großen Mausohrwochenstuben ...Der Schutz bestehender Fledermausquartiere oder die Anbringung neuer Fledermausquartiere ist eine wichtige, bestandserhaltende Maßnahme. Baumfledermäuse, Gebäudefledermäuse und Kirchen bewohnende Fledermäuse benötigen einen differenzierten Maßnahmenkatalog für ihren Schutz.


Zunahme der Großen Mausohrwochenstuben(Falkenfels und Degernbach) nach betreuter Renovierung

Baumhöhlen und Nistkästen

Quartierbäume und potentielle Quartierbäume wurden in ausgewählten Waldgebieten erfasst und markiert, um eine unabsichtliche Fällung zu vermeiden. Zusätzlich wurden Fledermauskästen ausgebracht.
Bei den neu angebrachten Fledermauskästen konnten im darauf folgenden Jahr oft schon 10 % neu besiedelte Kästen festgestellt werden. Dennoch ist die Aufhängung von Nistkästen eine langfristige Maßnahme, denn wie andere Beobachtungen zeigen, werden Kästen oft erst nach mehreren Jahren von Fledermäusen angenommen, der Besatz kann dann an geeigneten Stellen nahezu 100 % betragen. Im Hinblick auf die fehlenden natürlichen Baumhöhlen und -spalten sind diese Quartiere ein limitierender Faktor und die Kästen eine sehr sinnvolle Alternative, jedoch kein vollständiger Ersatz. Der Erhalt von wertvollen Höhlenbäumen sollte deshalb weiter vorangetrieben werden.

Öffnung der Kirchen

Die Öffnung der Kirchen ist ebenfalls eine einfache, jedoch effektive Maßnahme. Viele Kirchen konnten nicht besiedelt werden, weil wegen der eindringenden Tauben alle möglichen Einflugöffnungen vergittert wurden. Eine Neubesiedelung mit Einzeltieren nach der Öffnung eines Durchschlupfs für Fledermäuse (die Luken können von Tauben nicht passiert werden) oder der Anbringung von Fledermausziegel konnte in jedem Fall beobachtet werden.

Renovierungen

Renovierungen stellen nach wie vor ein großes Problem beim Fledermausschutz dar. Leider wird bei den Renovierungen auf die Tiere oft noch immer keine Rücksicht genommen. Es ist wichtig im Vorfeld abzuklären, dass eine Renovierung nur in den fledermausfreien Zeiten möglich ist. Auch die Durchführung der Renovierung mit dem Erhalt an geeigneten Quartiermöglichkeiten für die Fledermäuse, einschließlich der verwendeten Mittel, sind eine wichtige Grundlage für den Schutz der Bestände und die Wiederbesiedelung. Ist eine Rückkehr der Fledermäuse absolut nicht erwünscht, sollte zumindest aus den alten Hölzern ein Ersatzquartier in der Nähe errichtet werden. Ein besonderes Problem sind die Kirchenrenovierungen. Oft werden die Renovierungen von der Kirchengemeinde in Eigenregie durchgeführt, von diesen Renovierungen erfährt man nur durch Zufall. Manchmal werden Renovierungenerst sehr spät gemeldet und erst kurz vor Beginn der Maßnahme weitergegeben, so dass es oft schwierig ist, schnell genug zu reagieren. Die Kirchenrenovierungen werden ohne Betreuung leider meist fledermausfeindlich durchgeführt. Der gesamte Traufbereich wird 10 cm angehoben und mit Lüftergitter verschlossen. Bis in den Firstbereich werden Lüfterziegel eingesetzt. Zusätzlich erhellen Fenster den Dachraum und Einflugöffnungen werden verschlossen. Das Quartier wird aufgrund der starken Zugluft, der Helligkeit und des fehlenden Einflugs für Fledermäuse unbewohnbar. Auf Dauer steht so eine abnehmende Anzahl geeigneter Kirchen einer zunehmenden Anzahl von Kirchen-Fledermäusen gegenüber.

Holzschutzmaßnahmen

Bei Holzschutzmaßnahmen werden die Kirchen immer aktuell auf ihren Fledermausbesatz angesehen. Meist erfolgt die Begasung mit den sehr giftigen Gasen (z.B. Sulfurylchlorid) nur im Kircheninnenraum. Dieser Innenraum wird vollständig abgedichtet. Weil die Gase jedoch tödlich auf Fledermäuse wirken, wird bei einem Besatz mit Einzeltieren im Dachboden eine Absauganlage installiert, um jeden Kontakt mit dem Gift zu unterbinden. Wurde eine Wochenstube nachgewiesen, wird wegen der Störung die Begasungsaktion auf einen späteren Zeitpunkt, nach Verlassen des Quartiers, verschoben. Gegen die Begasung ist prinzipiell nichts einzuwenden, da die Gasphase sich nicht mit dem Holz verbindet und nach entweichen keine giftigen Rückstände verbleiben. Ein etwas größeres Problem ist die Behandlung der Dachräume. Das noch immer verwendete Permethrin ist ein Nervengift und für Fledermäuse schädlich, Langohrfledermäuse können daran sterben, Mausohren verlassen das Quartier. Bei Fledermausbesatz im Dachboden dürfen deshalb nur Bohrlochtränkungen vorgenommen werden und die Hangplätze im Firstbereich und in den Balkenkehlen müssen ausgespart werden. Empfohlen wird die Verwendung von Borsalzen. In Privathäusern sollte, auch aus eigenem Interesse, eine Holzbehandlung mit weniger giftigen und lösungsmittelfreien Mitteln durchgeführt werden. Die Behandlung des Holzes kann nur im Herbst in der fledermausfreien Zeit erfolgen.

Cartoon von Richardson

Beratung

Beratungsgespräche sind die wichtigsten Schutzmaßnahmen für Fledermäuse. Oft sind die Bewohner nur verunsichert, verängstigt, oder fühlen sich durch den herabfallenden Fledermauskot gestört. Nach individuellen Beratungen konnten die anfänglichen Vorurteile abgebaut werden und die Fledermäuse in den allermeisten Fällen dauerhaft im Quartier verbleiben.

Winterquartiere

Um Störungen winterschlafender Fledermäuse zu vermeiden ist es unerlässlich, die Winterquartiere sicher zu verschließen. Der Verschluss der Winterquartiere erfolgte über ein spezielles Patent mit Beton-ausgegossenen Stangen durch deren Zwischenraum die Tiere fliegen können. Früher wurden die niedrig hängenden Fledermäuse in den engen Höhlen immer wieder durch Besucher gestört. Nach der Vergitterung stieg der Bestand um mehr als ein Drittel an. Leider wurde die Vergitterung immer wieder beschädigt, so dass Reparaturen notwendig wurden. Erfolgte die Beschädigung im Winterhalbjahr, war ein deutlicher Bestandseinbruch zu erkennen. Die Beobachtungen zeigen wie wichtig die Ungestörtheit und die Verschlussmaßnahmen in den engen, künstlichen Winterquartieren für Fledermäuse sind.

Aufgebrochenes Fledermausquartier
Aufgebrochenes Fledermausquartier